Wenn Frieden zur Ausnahme wird: Warum AREMA Rüsting in der nachhaltigen Veranlagung neu denkt
Seit Jahrzehnten gilt in der nachhaltigen Geldanlage ein klares Prinzip: Staaten mit überhöhten Rüstungsausgaben werden ausgeschlossen. Ein sinnvoller Grundsatz, der aber immer öfter an seine Grenzen stößt. Denn die geopolitische Realität hat sich fundamental verändert. ESG Plus hat darauf reagiert und mit AREMA.at eine Methodik entwickelt, die Aggression und legitime Verteidigung unterscheidet.
- Ein bewährtes Kriterium in einer veränderten Welt
- Die unbequeme Frage: Aggressor oder Verteidiger?
- Das NATO-5-%-Ziel: Eine Zäsur für nachhaltige Portfolios
- Der ESG Plus Ansatz: Die AREMA-Methodik
- Die Kriterien im Detail
- Transparenz als Grundprinzip
- Fazit: Nachhaltige Veranlagung muss sich weiterentwickeln
Ein bewährtes Kriterium in einer veränderten Welt
Der Ausschluss von Staaten mit überhöhten Rüstungsausgaben ist ein über Jahrzehnte gewachsenes Instrument der nachhaltigen Veranlagung. Die Logik dahinter war lange Zeit stichhaltig: Hohe Militärbudgets galten als Indikator für Aggression, Instabilität oder autoritäre Systeme – und damit als klares Signal, dass ein Staat nicht in ein nachhaltig verwaltetes Portfolio gehört.
Als Datengrundlage dient dabei das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), das weltweit als anerkannte Referenz für Rüstungsausgaben gilt. Österreichische Nachhaltigkeitsstandards wie jene der ÖGUT sehen auf Basis dieser Daten vor, Staaten auszuschließen, deren Militärausgaben im Dreijahresdurchschnitt über 3 % des BIP liegen.
Doch was einst ein scharfes Instrument zur Unterscheidung zwischen friedlichen und aggressiven Staaten war, greift heute zu kurz.
Die unbequeme Frage: Aggressor oder Verteidiger?
Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich die sicherheitspolitische Realität in Europa grundlegend verschoben. Offene militärische Aggressionen, der gewaltsame Versuch, Staatsgrenzen zu verschieben – das sind keine Szenarien mehr aus Lehrbüchern, sondern gelebte Realität an den Grenzen der Europäischen Union.
Die Konsequenz: Viele Staaten erhöhen ihre Verteidigungsbudgets. Das tun sie nicht unbedingt aus Aggression, sondern aus nachvollziehbaren Sicherheitsüberlegungen. Und genau hier entsteht ein Problem für die nachhaltige Veranlagung, das nicht länger ignoriert werden kann.
Kann man der Ukraine vorwerfen, in Verteidigung zu investieren, während sie aktiv von Russland angegriffen wird?
Kann man Polen wirklich vorwerfen, dass es sein Militär aufrüstet?
Nach den bisherigen Kriterien wären genau solche Staaten aus dem Investmentuniversum nachhaltiger Fonds ausgeschlossen. Nicht weil sie Kriege anzettelten, sondern weil sie sich schützen wollen oder müssen.
Das führt zu einer weiteren, sehr praktischen Frage, die wir uns stellen müssen:
Funktionieren nachhaltige Anleihenportfolios in Zukunft noch, wenn weite Teile Westeuropas aufgrund steigender Verteidigungsbudgets aus dem investierbaren Universum fallen?
Das NATO-5-%-Ziel: Eine Zäsur für nachhaltige Portfolios
Beim NATO-Gipfel in Den Haag 2025 haben sich die Bündnispartner verpflichtet, bis 2035 insgesamt 5 % des BIP für Verteidigung aufzuwenden – davon mindestens 3,5 % für Militärausgaben nach der offiziellen NATO-Definition.
Die Rechnung ist einfach: Die ÖGUT-Ausschlussschwelle liegt bei 3 % des BIP. Das NATO-Kernziel bei 3,5 %. Wer diesen Pfad einschlägt, überschreitet automatisch gängige ESG-Kriterien.
Das ist kein hypothetisches Szenario. Es ist die erklärte politische Agenda der gesamten Allianz. Und es macht die Frage, ob bestehende Ausschlusskriterien noch tauglich sind, zur dringlichen Praxisfrage – gerade für österreichische Vorsorgekassen, die Nachhaltigkeitszertifizierungen der ÖGUT haben und stark in europäische Staatsanleihen investieren.
Der ESG Plus Ansatz: Die AREMA-Methodik
ESG Plus hat diese Fragen zum Anlass genommen, eine eigene, methodisch fundierte Antwort zu entwickeln: AREMA.at
Der zentrale Grundgedanke von AREMA: Nicht jede erhöhte Militärausgabe ist gleich zu bewerten. Entscheidend ist, ob hinter den Ausgaben ein begründetes Verteidigungsinteresse steht oder eine aggressive Aufrüstung.
Das Ziel: Aggressorstaaten konsequent ausschließen. Staaten mit legitimen Verteidigungsinteressen nicht pauschal bestrafen.
Die AREMA-Kriterien im Detail
ESG Plus behält bei AREMA die bewährte Ausgangsschwelle bei: Staaten, deren Rüstungsausgaben im Dreijahresdurchschnitt über 3 % des BIP liegen (gemäß SIPRI-Daten), werden grundsätzlich ausgeschlossen.
Eine Ausnahme ist jedoch möglich, wenn ein begründetes Verteidigungsinteresse nachweislich vorliegt. Dies gilt unter zwei klar definierten Bedingungen:
1. Aktive Konfliktbeteiligung als verteidigende Partei
Der Staat ist direkt in einen militärischen Konflikt involviert und wurde durch eine UN-Resolution (mit mindestens zwei Dritteln der Stimmen der Generalversammlung oder durch Beschluss des Sicherheitsrats) ausdrücklich als verteidigende Partei anerkannt.
2. Geografische Nähe zu einem bewaffneten Konflikt
Der Staat ist selbst nicht direkt am Konflikt beteiligt, befindet sich aber in einem nachweislich gefährlichen Umfeld: Ein bewaffneter Konflikt (zwischenstaatlich oder innerstaatlich) hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre in einem Umkreis von 1.000 Kilometern zur eigenen Grenze oder zur Grenze eines formellen Bündnispartners (etwa eines NATO-Mitglieds) ereignet.
Die Bewertung stützt sich unter anderem dabei auf international anerkannte, unabhängige Quellen:
- Berichte und offizielle Mitteilungen der Vereinten Nationen (UN)
- Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)
- Uppsala Conflict Data Program (UCDP)
Transparenz als Grundprinzip
AREMA ist keine interne Checkliste, sondern eine öffentlich einsehbare, nachvollziehbare Methodik. Sie wird einmal jährlich aktualisiert und überprüft – inklusive Dokumentation aller Änderungen.
Die vollständige Methodik sowie die aktuelle Länderliste sind unter arema.at frei zugänglich.
Denn Transparenz ist für ESG Plus keine Marketingaussage, sondern Voraussetzung für glaubwürdige Nachhaltigkeitsbewertungen.
Fazit: Nachhaltige Veranlagung muss sich weiterentwickeln
AREMA ist kein Abweichen von den Grundsätzen nachhaltiger Geldanlage. Ganz im Gegenteil. Es ist der Versuch, diese Grundsätze in einer veränderten Welt konsequent anzuwenden.
Wer heute Aggressorstaaten und Verteidigungsstaaten über denselben Kamm schert, trifft die Falschen. Und wer ein Anleihenportfolio aufbaut, das perspektivisch ohne weite Teile Europas auskommen muss, verliert den Anspruch auf Praxistauglichkeit.
Nachhaltige Veranlagung muss glaubwürdig bleiben. Das bedeutet: Sie muss sich der Realität stellen, ohne ihre Werte aufzugeben.
Wir sind überzeugt: AREMA ist ein Schritt in genau diese Richtung.
Haben Sie Fragen zur AREMA-Methodik oder möchten Sie wissen, wie ESG Plus Ihr Portfolio oder Sie als Vorsorgekasse dabei unterstützen kann? Kontaktieren Sie uns.

